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(Den verlorenen Freunden)

(Den verlorenen Freunden) Wenn du plötzlich, nein: wenn du endlich eine Mission hast. Wenn du endlich Linien in den Wirrwarr deiner Tage und Nächte bekommen hast, ich meine Linien, die sich nicht verändern, wenn du ihnen den Rücken zudrehst. Wenn endlich alles gleich bleibt im Kopf, weil alle Gedanken an ihrem Platz bleiben, auch die verlorensten, auch die über dich selbst (die Ängste, die Träume und die geheimen Wahrheiten, die sich womöglich gegen dich selbst richten), weil sogar die jetzt einen Platz haben, an dem sie bleiben, auch wenn du am Kopf stehst oder dreitausend Haken schlägst oder wenn sich das Wetter fünf Mal am Tag ändert. Wenn es da andere gibt, die „Ja!“ rufen, vielleicht auch noch: „Ja, genau dich haben wir gemeint!“, wo man dir deinen Platz nie im Leben streitig machen würde, kaum dass du – eh schon so mühselig – zum Sesselrand hinaufgeklettert bist. (Wo du dich noch nicht mal niedergelassen hast, da haben sie schon versucht, dir den Sessel wegzuziehen, so war das nämlich.) Wenn du endlich einen Sessel gefunden hast und Leute, die ihn dir hinschieben, ja direkt unter den Hintern haben sie ihn dir geschoben, und wie sie mit dir die große Wahrheit bejubelt haben, dieses gemeinsame Verstehen, als du dich niedergelassen und zum ersten Mal vorsichtig in die neue Runde geschaut hast. Dieser Einklang ohne einen einzigen schiefen Ton, wie wunderbar! ‚Endlich angekommen‘, denkst du. ‚Endlich ist alles, das ich jemals gedacht habe, und alles, das ich jemals denken wollte, richtig.‘ Endlich fügt sich alles zusammen, wie es eben ist, wenn man es – Was für ein langer Weg ist es gewesen! – bis zur Wahrheit geschafft hat: ein Bild ohne Löcher und was noch besser ist: kein einziges Stück bleibt übrig. Alle Teile gehören zusammen und alle passen wie füreinander gemacht ineinander, jeder Gedanke hat seinen Platz und mit jedem Gedanken auch du. Du kannst es fast hören, wie du in den freien Platz gedrückt wirst (Das letzte, das kostbarste fehlende Stück, das warst du!), ein leises Aufatmen: selbst deine seltsamsten Buchten, ja gerade deine seltsamsten Buchten passen perfekt hinein, da bleibt nichts ohne Gegenstück in der Luft hängen, da steht nichts über. ‚Endlich‘, denkst du immer wieder. ‚Endlich.‘ Und wenn du draußen bist (Ja, alles andere ist jetzt draußen, ist Idiotenland, ist Feindesland), denkst du in den hellen Minuten, bevor du dich schnell wieder in diesen neuen Tritt fallen lässt, der dich alles andere vergessen lässt: ‚Besser die Feindlichkeit draußen als drinnen‘. (Die große Verführung)  




Kommentare

  1. Für einmal kann ich dir nicht so richtig folgen. :--)
    Meine Vermutungen gehen in alle Richtungen. Aber es tönt nach einem endlich erreichten Ziel oder Zustand oder Zuhause...
    Lieben Gruss ins Heute,
    Brigitte

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    1. Das ist mir auch schon aufgefallen, dass das so geschrieben ist, dass man beim Lesen (oder schon ich beim Schreiben?) quasi der Verführung erliegt. Eigentlich bin ich einer Ursache nachgegangen, warum sich Menschen (und eben auch solche, die ich gut zu kennen geglaubt habe) von so eigentlich offensichtlich verrückten Ideen wie denen, die den Verschwörungserzählungen zugrunde liegen, "verschlucken" lassen.
      Liebe Grüße, Andrea

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