Direkt zum Hauptbereich

Die Großmutter

Die Großmutter. Die Großmutter drückt sich das Kind an die Brust. Es reibt seine Nase in die Leibschürze wie damals ihr Erstgeborener. Die Großmutter streicht dem Kind über die Haare. Fast schwarz sind sie und widerborstig. Der Erstgeborene hat ganz weiches, helles Haar gehabt, sogar sein Barthaar war weich, ist wie ein seidiger Flaum am Kinn und über seinen Lippen gestanden. Gegen das Licht hat er rötlich geschimmert. Genauso wie es bei ihrem Vater und bei seinem Vater gewesen ist. Das Kind schimmert nicht, aber seine Augen glitzern und es hat eine Rotznase, die es in die Leibschürze der Großmutter wischt. Schade, dass das Kind den Erstgeborenen nicht kennenlernen kann. Weil er irgendwo in Russland liegt. Erschossen, verschüttet, verhungert, erfroren. „Hör‘ endlich auf damit. Es reicht!“, hat der Mann gesagt und sie hat zurück geredet, weil es nie reichen wird, ihr Leben lang nicht. Da hat er sich wortlos umgedreht und ist ins Wirtshaus gegangen. Einmal hat sich die Großmutter das Kind so fest an die Brust gedrückt, dass es fast erstickt ist. Da ist sie so erschrocken, dass sie beim nächsten Mal gesagt hat: „Du bist schon zu groß für meine Leibschürze.“ Sie hat aus dem Ärmel ein Taschentuch gezogen und es dem Kind in die Hände gedrückt.


 


Kommentare

Kommentar veröffentlichen

Beliebte Posts aus diesem Blog

Neuer Blog: https://heinisch622718518.wordpress.com/

 . Aus irgendwelchen Gründen kann ich hier keine Fotos mehr hochladen. So habe ich einen neuen Blog gestartet, wobei ich mich dort noch ganz schön herumplage ...  Aber hier:  Andrea Heinisch, der Blog – Fotos, Texte und Neuigkeiten von Andrea Heinisch (wordpress.com)   geht es weiter! Davon abgesehen bin ich jedoch wie jeden Sommer ohnehin schwer beschäftigt:  Nach den ganzen Beeren müssen nun Tomaten, Gurken, Zuccini, Paprika, Lauch, ... verarbeitet werden, und Besuch findet sich hier auf unserem Hof ja auch immer wieder ein. Alles andere muss dazwischen passieren.  :) Liebe Grüße, Andrea

Über den Tellerrand

  Eben gelesen, dass auch F. über den Tellerrand schaut. Ja, seit einiger Zeit schauen alle nur noch über den Tellerrand. Welche Suppe sie einstweilen (aus)löffeln, bemerken sie nicht, weil sie ja ... siehe oben: mit dem Über-den-Tellerrand-Schauen beschäftigt sind. Was sie dort sehen, erfahren wir übrigens nicht. Müssen wir auch nicht, weil sie dort eh immer nur das sehen, das sie vorher schon gewusst haben. Mahlzeit! 

Save The Date: Herbsttermine

. 28.8.24: "Gute Kinder", Roman, Picus, erscheint 10.9.24:  Buchpräsentation  im Leporello, Singerstraße 7 14.9.24:  Premiere der Bühnenfassung  der Guten Kinder in der  Theaterarche , Wien 25. 9., 26.9., 4.10., 5.10., 10.10, 11.10., 12,10., 22.10., 23.10. - Aufführungen 20.9.:  Präsentation der Waldviertelanthologie  in St. Leonhard/Hornerwald im Gasthaus Staar 2.10.24:  Lesung aus den Guten Kindern in Lhotskys Literaturbuffet , 18.30