„Das war früher auch so. Nur nennen sie es jetzt halt Klimawandel.“ Die Nachbarin lässt sich vom Herbsteinbruch Anfang Juli nicht erschüttern. Es ist kalt, windig und regnerisch. Dafür soll es Mitte Juli dann vierzig Grad kriegen. Die Gletscher tauen auf, halbe Berge donnern ins Tal, es gibt Überschwemmungen, Murenabgänge, in Portugal und Spanien ist es trocken wie seit ewigen Zeiten nicht mehr, aber für die Frau Nachbarin ist das alles normal. Wie auch das mit dem Corona. Das ist doch alles nur übertrieben. Das hat es früher alles auch schon gegeben, nur haben sie damals nicht so ein Theater gemacht. Das kommt alles von dem Internet. Die Wissenschaftler? „Was wissen denn die schon. Die sind doch alle gekauft. Und Ahnung haben sie sowieso keine. Nicht von dem, wie es wirklich ist.“ Ich sage nichts mehr, was soll man da auch sagen, außerdem will ich sie nicht noch zu weiteren Ausführungen ermuntern. Wobei sie das eh nicht braucht. Sie ist bereits voll in Fahrt. Als ob sie auf mich gewartet hätte, weil ich ja eine von denen bin, denen sie es schon lang einmal reinsagen wollte. Die sich endlich auch einmal anhören sollen, was sie denkt. Weil sie sich eh jeden Tag im Fernsehen und im Radio anhören muss, was wir denken. „Was ein echtes Problem ist, das sind die Preise. Und wenn wir im Winter nicht heizen können. Und wir werden wieder im Bach die Wäsche waschen müssen, weil wir uns den Strom für die Waschmaschine nicht mehr leisten können!“, sagt sie und ich sage nicht, dass der Bach doch seit Jahren im Sommer so gut wie ausgetrocknet ist. Als Folge des Klimawandels. „Was geht uns dieser Krieg überhaupt an?“, sagt sie und nach einer kleinen Pause, in der, wie es ausschaut, ihre Wut von Resignation abgelöst wird: „Den Preis zahlen doch sowieso immer die Kleinen.“ Das klingt so, als ob sie endlich zu einem Ende gefunden hätte, und weil’s mir eh schon lang reicht und ich ihr beim letzten Satz auch zustimmen kann, klinke ich mich in ihr Seufzen ein. Noch während sie ausatmet, sage ich so, dass es möglichst bedauernd klingt: „Ich muss jetzt aber. Ich muss zurück nach Wien.“
. Aus irgendwelchen Gründen kann ich hier keine Fotos mehr hochladen. So habe ich einen neuen Blog gestartet, wobei ich mich dort noch ganz schön herumplage ... Aber hier: Andrea Heinisch, der Blog – Fotos, Texte und Neuigkeiten von Andrea Heinisch (wordpress.com) geht es weiter! Davon abgesehen bin ich jedoch wie jeden Sommer ohnehin schwer beschäftigt: Nach den ganzen Beeren müssen nun Tomaten, Gurken, Zuccini, Paprika, Lauch, ... verarbeitet werden, und Besuch findet sich hier auf unserem Hof ja auch immer wieder ein. Alles andere muss dazwischen passieren. :) Liebe Grüße, Andrea

Eine Immer-alles-Besserwisserin, wahrscheinlich noch unbelehrbar dazu. Gespräche sind da kaum möglich. Sie reden meist monologisch.
AntwortenLöschenDas denke ich auch, dass Gespräche da nicht möglich sind (zumindest nicht über das Thema, um das es geht). Wobei mir hier schon auch wichtig ist zu zeigen, dass es ein bisschen komplizierter ist, als es auf den ersten Blick ausschaut.
LöschenLiebe Grüße, Danke fürs Zulesen! :)
Andrea